Programmheft

© Digitalisierte Sammlungen - Staatsbibliothek Berlin

Ludwig van Beethoven (1770-1827)

Sonate für Klavier und Violine G-Dur op. 30 Nr. 3
Allegro assai
Tempo di Minuetto, ma molto moderato e grazioso
Allegro vivace

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"Ach es dünkte mir unmöglich, die Welt eher zu verlassen, bis ich das alles hervorgebracht, wozu ich mich aufgelegt fühlte."

Die Violinsonate in G-Dur beschließt das 1802 entstandene op. 30 mit seinen drei Sonaten für Violine und Klavier. Sie bietet ein eindrucksvolles Zeugnis der Entschlossenheit des jungen Komponisten, sich von der Ertaubung, die ihn bereits seit sieben Jahren schrittweise das Gehör verlieren ließ, nicht den Lebensmut nehmen zu lassen. Mit dieser Entschlossenheit war es Beethoven gelungen, die abgrundtiefe Verzweiflung zu überwinden, über die er kein halbes Jahr zuvor im Heiligenstädter Testament, einem nie abgeschickten Brief an seine Brüder, ergreifend berichtete.

Als glänzender Pianist, gefeierter Komponist und gefragter Lehrer bedrohte der langsame Verlust des Gehörs Beethoven nicht nur wirtschaftlich. Mit eindringlichen Worten beschrieb er seinen Brüdern auch die quälenden Ohrgeräusche und die soziale Isolierung, die sich daraus ergab, dass er auf seine Mitmenschen einen "feindselig störrischen und misantropischen Eindruck" machte. Das drohende abrupte Ende seiner Laufbahn als Musiker ließ ihn sogar an Suizid denken, jedoch erkannte er, dass sein Leben zu sehr mit der Kunst verwoben war: "Es fehlte wenig, und ich endigte selbst mein Leben - nur sie die Kunst, sie hielt mich zurück."

1808 trat er zum letzten Mal als Pianist auf, 1819 sollte er vollständig ertaubt sein. Aber seine herausragende Erfindungsgabe und seine andauernde Suche nach neuen musikalischen Formen ließen ihn als Komponist einen eigenen, unverwechselbaren Stil entwickeln, der den Hörer eindringlich berührt. Seine musikalische Sprache zeigt auch in der verspielten, humorvollen G-Dur-Sonate ihre Wirkung: Einem von unbändiger Spielfreude geprägten ersten Satz voller unerwarteter Dur-Moll-Wechsel und unvermittelter Verschiebungen in Dynamik und Harmonie schließt sich ein zartes Adagio an, in dem sich die beiden Instrumente gesangliche Tanzmelodien zuspielen. Den Abschluss bildet ein Wirbelwind-Finale, dessen folkloristische Elemente in Béla Bartók den Eindruck erweckten, Beethoven habe hier den Dudelsack in die Sonate geholt. 

Die Ausführenden

Matthias Wollong absolvierte eine Ausbildung in der Meisterklasse von Werner Scholz bevor er von 1987 bis 1989 in die Schweiz ging, um bei dem Geiger und Pädagogen Tibor Varga zu studieren. Während dieser Zeit trat er in der Bundesrepublik, in Frankreich und in der Schweiz als Solist auf und gewann auf Wettbewerben mehrere Preise, wie etwa den Hauptpreis beim Violinwettbewerb Joseph Joachim in Österreich. 

Als Solist arbeitete er mit den Dirigenten Ádám Fischer, Rafael Frühbeck de Burgos, Marek Janowski, Wladimir Jurowski und Sir Colin Davis und dem ORF-Symphonie-Orchester, dem Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin, der Staatskapelle Dresden, den Berliner Symphonikern und der Staatskapelle Weimar zusammen.

Seit 1999 ist Matthias Wollong 1. Konzertmeister der Sächsischen Staatskapelle, nachdem er von 1991 bis 1999 die gleiche Position beim Rundfunk-Sinfonieorchesters Berlin bekleidete. Während der Sommermonate musiziert er als 1. Konzertmeister im Orchester der Bayreuther Festspiele.

Matthias Wollong widmet sich intensiv der Kammermusik. Er trat in verschiedenen Formationen bei den Salzburger Osterfestspielen und bei den Internationalen Schostakowitsch Tagen Gohrisch auf und veröffentlichte Rundfunk- und CD-Aufnahmen, wie das Gesamtwerk für Violine von Othmar Schoeck und die Klaviertrios von Ludwig van Beethoven (Genuin). 2008 erhielt er für die Aufnahme von Kammermusik Erich Wolfgang Korngolds einen Echo Klassik.

Seit 2003 verbindet ihn eine ständige Zusammenarbeit als Dirigent und Solist mit dem European Union Chamber Orchestra. Als Dirigent leitete er das Deutsche Kammerorchester, die Thüringen Philharmonie und gastierte beim Cairo Symphony Orchestra. Matthias Wollong hat eine Professur an der Hochschule für Musik Franz Liszt Weimar, wo er auch lebt. Er spielt auf einer Violine von Andrea Guarneri aus dem Jahre 1676.

Der in Rumänien geborene Andrei Banciu studierte in Berlin Klavier bei Prof. Klaus Hellwig an der Universität der Künste und bei Prof. Fabio Bidini an der Hochschule für Musik Hanns Eisler sowie Liedgestaltung bei Prof. Wolfram Rieger. Meisterkurse besuchte er u.a. bei Paul Badura-Skoda, Pascal Devoyon, Karl-Heinz Kämmerling, Menahem Pressler und Rudolf Buchbinder. Bei zahlreichen Wettbewerben erhielt er Preise, so z.B. 1995 beim Wettbewerb Rovere d´oro (Italien). 2015 wurde er Stipendiat des Deutschen Musikwettbewerbs in Lübeck. Zudem wurde er in die 60. Bundesauswahl der Konzerte Junger Künstler aufgenommen. Im September 2015 erhielt er, im Duo mit der Geigerin Ioana Cristina Goicea, den 2. Preis beim Kammermusikwettbewerb Premio Trio di Trieste (Italien). Das Duo hatte Konzertauftritte unter anderem im Concertgebouw Amsterdam, beim Schleswig-Holstein Musik Festival, im Rumänischen Athenäum in Bukarest, im Teatro Ristori und Teatro Filarmonico Verona und in der St. Martin-in-the-Fields London.

Als Kammermusiker und Solist führten ihn Konzertreisen nach Deutschland, Holland, Polen, Ungarn und in die USA sowie nach Belgien, Frankreich, Großbritannien und Italien. Seit 2010 ist er Pianist des von ihm mitbegründeten Jacques-Thibaud-Ensembles. 2010 bis 2013 unterrichtete er beim Musica Mundi Kammermusikkurs und -festival, wo er 2012 als Solist mit dem Festival-Orchester unter der Leitung von Maxim Vengerov und 2013 mit dem Brussels Chamber Orchestra auftrat. Nach Lehraufträgen an der Hochschule für Musik und Theater Felix Mendelssohn Bartholdy Leipzig, der Universität der Künste Berlin und der Hochschule für Musik Franz Liszt Weimar ist er seit Oktober 2018 als Lehrkraft an der Hochschule für Musik Hanns Eisler Berlin tätig.

Rundfunkaufnahmen seiner Konzertauftritte entstanden unter anderem für den Bayerischen Rundfunk, den Deutschlandfunk, Radio France und  Radio 4 Niederlande.