Felix!

Felix Mendelssohn Bartholdy

Felix Mendelssohn Bartholdy gehört zu den herausragenden universell gebildeten und vielseitig wirkenden Musikern des 19. Jahrhunderts. Sein musikalisches Wirken als Komponist, Dirigent und Pianist führte ihn durch ganz Europa. Für zwölf Jahre war sein Lebensmittelpunkt Leipzig. Hier prägte er als Gewandhauskapellmeister und Mitbegründer des ersten deutschen Konservatoriums entscheidend das musikalische Leben und die musikalische Ausstrahlung der Stadt.
Theodor Hildebrandt: Felix Mendelssohn Bartholdy, 1834, SGM Inventar-Nr. XIX/9
  • Wunderkind und Bildungsbürger

    Wilhelm Hensel: Felix Mendelssohn Bartholdy, um 1820, bpk

    Felix Mendelssohn Bartholdys musikalisches Talent zeigte sich schon im frühen Kindesalter. Mit neun Jahren trat er zum ersten Mal als Pianist in der Öffentlichkeit auf, mit zehn erhielt er Kompositionsunterricht, mit zwölf schrieb er seine erste Sinfonie und mit siebzehn Jahren komponierte er die bis heute bekannte und beliebte Konzert-Ouvertüre zum Sommernachtstraum. Als Podium für das Wunderkind etablierten die Eltern in ihrem Haus die Sonntagsmusiken, die sich zum beliebten Treffpunkt für Musiker und Musikliebhaber entwickelten. Neben der musikalischen Unterweisung genossen Felix und seine Geschwister eine umfassende humanistische Bildung. Dazu kam die einzigartige intellektuelle Atmosphäre im Hause Mendelssohn. Als Zentrum geistvoller Geselligkeit stand es nicht nur persönlichen Freunden offen: Repräsentanten der Kunst- und Gelehrtenwelt Berlins fanden sich hier zum geselligen Beieinander und Musizieren zusammen. So lernte Felix unter anderem Georg Wilhelm Friedrich Hegel, Alexander und Wilhelm von Humboldt, Heinrich Heine, Carl Maria von Weber, Louis Spohr und Niccolò Paganini kennen. Felix Mendelssohn Bartholdy setzte seine Zeitgenossen mit seinen vielseitigen Fähigkeiten in Erstaunen: Seine Zeichnungen und Aquarelle zeigen sein bildkünstlerisches Talent, aber auch die gelegentlich verfassten Gedichte sowie die ausführlichen Briefe von seinen Reisen zeugen von einer großen sprachlichen Begabung.

  • Fanny und Felix

    Silhouette von Fanny Hensel, Mendelssohn-Haus Leipzig

    Zwischen Felix Mendelssohn Bartholdy und seiner Schwester Fanny Hensel gab es eine ganz besondere Verbindung. Da war zum einen die große geschwisterliche Zuneigung, zum anderen die große musikalische Begabung. Beide erhielten seit ihrer frühesten Kindheit Instrumentalunterricht, besuchten gemeinsam den Kompositionsunterricht bei Carl Friedrich Zelter und traten bei den elterlichen Sonntagsmusiken auf. Während der Vater dem Sohn eine Karriere als Musiker zubilligte, verwies er seine Tochter auf ihre Rolle als Hausfrau und Mutter, die ihr musikalisches Können in den Dienst der Familie zu stellen hatte. Während Felix europaweit Furore machte, schaffte Fanny es, im Rahmen der Konventionen in Berlin ihre eigenen Sonntagsmusiken zu einer bekannten musikalischen Institution zu machen und trat mehrfach öffentlich als Pianistin auf. Fanny und Felix blieben sich auch in der räumlichen Distanz musikalisch inspirierende Austauschpartner und Kritiker. Dem Wunsch Fannys, nach dem Tod des Vater ihre Werke publik zu machen, stand Felix zunächst skeptisch gegenüber, erteilte ihr aber nach dem Erscheinen ihres Opus 1 scherzhaft seinen Handwerkssegen. Wie sehr das gesellschaftliche Korsett Fanny letztendlich zu schaffen machte, verstand Felix zu seinem großen Bedauern erst an ihrem Lebensende. In dem halben Jahr, das er sie überlebte, gab er noch Werke in den Druck, die sie für die Publikation vorgesehen hatte.

  • Bach und Goethe

    Der 12-jährige Felix bei Goethe, kolorierte Zeichnung aus: Die Gartenlaube, 1867

    Die besondere Vorliebe für die Musik Johann Sebastian Bachs war in der Familie Mendelssohn Bartholdy tief verwurzelt. So ist es kein Zufall, dass Carl Friedrich Zelter für den Kompositionsunterricht engagiert wurde. Zelter leitete die Berliner Singakademie, in der die gesamte Familie Mendelssohn mitwirkte, und in der Bachs Musik zum festen Repertoire gehörte. Mit zwanzig Jahren führte Felix Mendelssohn Bartholdy mit der Berliner Singakademie die Matthäuspassion erstmals nach Bachs Tod mit sensationellem Erfolg wieder auf und brachte die bei einem breiten Publikum fast schon in Vergessenheit geratene Musik des Leipziger Thomaskantors in die Erinnerung zurück. In Leipzig ließ Mendelssohn das erste Denkmal für Johann Sebastian Bach errichten.

    Carl Friedrich Zelter war es, der den 12-jährigen Felix bei Johann Wolfgang von Goethe in Weimar einführte. Mit seinem Wesen und durch sein Klavierspiel gewann das Kind sofort die Zuneigung des damals 72-jährigen Dichters, dessen Lyrik Mendelssohn zu vielen Liedern und zur Komposition der Ballade Die erste Walpurgisnacht op. 60 inspirierte. Wer weiß, was ohne Weimar, ohne Goethe aus mir geworden wäre, bekannte Mendelssohn später. Insgesamt viermal besuchte Felix Mendelssohn Bartholdy Goethe. 1830 auf dem Weg nach Italien, ausgestattet mit Goethes Italienischer Reise, traf Felix Mendelssohn Bartholdy ein letztes Mal den hochbetagten Dichterfürsten.

  • England und Europa!

    Programmblatt zum Konzert der Philharmonic Society, London 28. Mai 1832

    Felix Mendelssohn Bartholdy verwirklichte in nahezu idealer Weise einen „europäischen“ Lebensweg: als Komponist, Dirigent, Pianist, zeichnender und Briefe schreibender Chronist bereiste er seit früher Jugend nicht nur viele deutsche Städte, sondern auch die Musik- und Kulturmetropolen Mitteleuropas.

    Richtungsweisend war die Paris-Reise im Jahr 1825 in Begleitung des Vaters. Der 16-jährige Felix stellte sich dem Urteil Luigi Cherubinis, einer Instanz in der Musikwelt. Dessen positive Beurteilung bestärkte Abraham Mendelssohn Bartholdy darin, seinen Sohn auf der eingeschlagenen Musikerlaufbahn zu unterstützen. Er ermöglichte ihm, 1829 eine fast dreijährige Bildungsreise durch England, Österreich, Italien, die Schweiz und Frankreich anzutreten.

    Schon bei seinem ersten Aufenthalt in London feierte Mendelssohn als Dirigent und Pianist große Triumphe; neun weitere England-Reisen sollten im Laufe seines nur 38-jährigen Lebens folgen. Er ließ sich nicht nur inspirieren von dem vielseitigen Londoner Musikleben, sondern wurde selbst zum Vorbild und Erneuerer, der mit seinen Auftritten – übrigens auch als Organist – die englische Musiklandschaft z.B. um die Werke Bachs und Beethovens bereicherte. Mehrmals empfing das britische Königspaar den Komponisten und zweimal bat man ihn, das Birmingham Music Festival zu leiten. Im Rahmen jenes Festivals erlebte 1847 sein Oratorium Elias eine spektakuläre Uraufführung.

  • Gewandhauskapellmeister

    Gottlob Theuerkauf: Saal des Alten Gewandhauses zu Leipzig, SGM Inventar-Nr. 1781

    Zwölf Jahre hatte Felix Mendelssohn Bartholdy die Position des Gewandhauskapellmeisters inne. Als er 1835 nach Leipzig kam, um diese Stelle anzutreten, war er gerade einmal 26 Jahre alt.

    Mit seinem Wirken schuf er in Leipzig die Grundlagen für die moderne Konzertpraxis:

    Mehrere durch den jungen Ausnahmekünstler eingeführte Neuerungen ebneten den Weg für diese Entwicklung. Bei seinem Amtsantritt schaffte er die bis dahin übliche Arbeitsteilung zwischen Konzertmeister, dem die Leitung der Instrumentalmusik oblag, und Kapellmeister, der einzig für die Vokalmusik zuständig war, ab. Mendelssohn bestand darauf, alle Konzerte selbst mit dem Orchester einzustudieren und aufzuführen. Dahinter stand keine Eitelkeit des neuen Musikdirektors, sondern das Streben nach Verbesserung des musikalischen Niveaus. Zudem stand nun am Pult ein Dirigent, der sich als Interpret des jeweiligen Komponisten verstand und seine Sicht auf das Orchester übertrug.

    Unter Mendelssohns Leitung gelang auch eine neue Programmgestaltung. Er führte einen Zyklus sogenannter Historischer Konzerte ein, um das Interesse der Zuhörer für musikhistorische Zusammenhänge zu wecken. Darüber vernachlässigte Mendelssohn jedoch nicht die Werke seiner Zeitgenossen. Seine Förderung galt zum Beispiel Robert Schumann, aber auch Kompositionen von Franz Liszt und Hector Berlioz setzte er auf die Konzertprogramme. Zudem gelang es ihm, namhafte Künstler nach Leipzig zu verpflichten. All das führte zu einer Glanzzeit der Gewandhauskonzerte, die jahrzehntelang nachwirkte.

  • Genie und Werk

    Mendelssohn-Büste nach Ernst Rietschel © Christian Kern

    Bis zu seinem frühen Tod mit nur 38 Jahren entstand ein Œuvre von über 750 Werken: Felix Mendelssohn Bartholdy ist bekannt für sein umfangreiches und bedeutendes Schaffen in vielen verschiedenen Gattungen von den großen Oratorien Paulus und Elias, den Konzert-Ouvertüren zum Sommernachtstraum und Die Hebriden, den Sinfonien, Schauspielmusiken, Konzerten, Kammermusikwerken bis hin zu den beliebten Liedern mit und ohne Worte. Zu seinen Lebzeiten galt er als der angesehenste und erfolgreichste Musiker seiner Zeit – nicht nur als Komponist, sondern auch als Dirigent und Virtuose. Doch im nachrevolutionären Deutschland verlor die Musik Mendelssohns zunehmend an Strahlkraft. Richard Wagner veröffentlichte 1850 unter einem Pseudonym die Schrift Das Judenthum in der Musik, in der er jüdischen Musikern aber vor allem auch dem getauften Felix Mendelssohn Bartholdy wegen seiner jüdischen Herkunft die Fähigkeit absprach, wahrhaft zu Herzen gehende Musik komponieren zu können. Während des Nationalsozialismus wurde seine Musik sogar verboten, was eine Haltung zum Werk Felix Mendelssohn Bartholdys beförderte, die sich bis weit ins 20. Jahrhundert hielt.

    Heutzutage ist die Musik Felix Mendelssohn Bartholdys wieder auf die großen Bühnen dieser Welt zurückgekehrt.

  • Biografie (Chronologie)

    Felix Mendelssohn Bartholdy 1809–1847


    1809

    • Am 3. Februar in Hamburg geboren (seine Mutter ist Lea, geb. Salomon, sein Vater ist Abraham, Sohn des jüdischen Philosophen Moses Mendelssohn)


    1811

    • Übersiedlung der Familie nach Berlin


    1816

    • Am 21. März christliche Taufe aller vier Kinder der Familie (Fanny ist zehn, Felix sieben, Rebecka bald fünf und Paul drei Jahre alt)


    1816

    • Klavierunterricht gemeinsam mit Fanny bei Ludwig Berger, Violinunterricht bei Wilhelm Henning


    1818

    • Erster öffentlicher Auftritt als Pianist


    1819

    • Musiktheorieunterricht gemeinsam mit Fanny bei Carl Friedrich Zelter


    1820

    • Beginn des ersten Kompositionsalbums
    • Zeichenunterricht bei Johann Gottlob Samuel Rösel
    • Am 1. Oktober gemeinsam mit Fanny Eintritt in die Berliner Singakademie


    1821

    • Im November erster Besuch mit Zelter bei Goethe in Weimar, zuvor erster kurzer Aufenthalt in Leipzig


    1822

    • Beginn der Sonntagsmusiken im Elternhaus


    1825

    • Gemeinsam mit dem Vater berufsentscheidende Reise nach Paris zu Cherubini


    1827

    • Immatrikulation an der Berliner Universität, unter anderem Ästhetik-Vorlesungen bei Hegel


    1829:

    • Am 11. März erste Wiederaufführung von Bachs Matthäuspassion in der Berliner Singakademie unter Mendelssohns Leitung
    • Am 10. April Beginn einer achtmonatigen Bildungsreise nach England und Schottland
    • Konzerte in England


    1830

    • Am 13. Mai Antritt der Grand tour nach Italien (Reiseroute: Leipzig, Weimar – letzte Begegnung mit Goethe -, München, Wien, Venedig, Florenz, Rom, Pompeji, Neapel)


    1831

    • Beginn der Rückreise über Rom, die Schweiz, München, Frankfurt am Main, Düsseldorf, Lüttich, Paris, London


    1832

    • Im Juni Rückkehr nach Berlin


    1833

    • Ablehnung der Bewerbung um Zelters Nachfolge als Leiter der Berliner Singakademie
    • Leitung des Niederrheinischen Musikfestes in Düsseldorf
    • Ab 1. Oktober Engagement als Städtischer Musikdirektor in Düsseldorf


    1835

    • Am 4. Oktober Antrittskonzert des 26jährigen Felix Mendelssohn Bartholdy im Gewandhaus (unter anderem mit der Ouvertüre »Meeresstille und glückliche Fahrt« und Beethovens 4. Sinfonie); Einzug in »Reichels Garten« bei Mme Pensa
    • Am 9. November erstmals Bachs Konzert für drei Klaviere und Orchester d-Moll im Gewandhaus (Klavier: Clara Wieck, Louis Rakemann und Felix Mendelssohn Bartholdy)
    • Am 19. November Tod des Vaters in Berlin


    1836

    • Leitung des Niederrheinischen Musikfestes in Düsseldorf, am 22. Mai Uraufführung des Oratoriums »Paulus«
    • Ehrendoktorwürde der Philosophischen Fakultät der Universität Leipzig;
    • Oratorium »Paulus« abgeschlossen
    • Am 7. November Leipziger Erstaufführung von Händels Oratorium »Israel in Ägypten« in der Paulinerkirche (Dirigent: Mendelssohn)


    1837:

    • Heirat mit Cécile Jeanrenaud, Tochter eines hugenottischen Geistlichen, in Frankfurt/Main
    • Einzug in eine geräumige Wohnung in Lurgensteins Garten (Leipzig)
    • Leitung von Konzerten beim Musikfest in Birmingham


    1838 

    • Am 1. Januar Uraufführung des 42. Psalms »Wie der Hirsch schreit«
    • Geburt des ersten Sohnes Carl
    • Am 15. Februar erstes von vier sogenannten »Historischen Konzerten« im Gewandhaus (alle vier unter Mendelssohns Leitung)


    1839

    • Am 21. März Uraufführung von Schuberts Großer Sinfonie C-Dur im Gewandhaus (Dirigent: Mendelssohn)
    • Geburt der Tochter Marie


    1840

    • Zur 400-Jahr-Feier der Erfindung der Buchdruckerkunst Uraufführung der 2. Sinfonie »Lobgesang« in der Thomaskirche
    • Engagement Mendelssohns für die Besserstellung seiner Musiker
    • Anerkennung des Gewandhausorchesters als Stadtorchester
    • Am 6. August Orgelkonzert Mendelssohns in der Thomaskirche zugunsten eines Bach-Denkmals


    1841:

    • Am 31. März Uraufführung von Schumanns »Frühlingssinfonie« im Gewandhaus  (Dirigent: Mendelssohn)
    • Am 4. April erste Leipziger Wiederaufführung von Bachs Matthäuspassion in der Thomaskirche
    • Geburt des Sohnes Paul
    • Am 1. Juli Ernennung zum Königlich Sächsischen Kapellmeister;
    • Im Sommer Übersiedlung nach Berlin als »Hauskomponist« von Friedrich Wilhelm IV., bis zur endgültigen Rückkehr 1845 jedoch immer wieder als Gastdirigent am Gewandhaus
    • Am 13. Oktober Ernennung zum Königlich Preußischen Kapellmeister


    1842

    • Am 3. März Uraufführung der »Schottischen Sinfonie« im Gewandhaus unter Leitung des Komponisten
    • Empfang durch Königin Victoria auf seiner siebten Reise nach England
    • Am 12. Dezember Tod der Mutter in Berlin


    1843:

    • Am 2. April Eröffnung des ersten deutschen Konservatoriums in Leipzig (1. Studiendirektor: Mendelssohn)
    • Ehrenbürgerschaft der Stadt Leipzig
    • Am 23. April Enthüllung des von Mendelssohn gestifteten Bach-Denkmals
    • Geburt des Sohnes Felix


    1844:

    • Rücktritt von allen Ämtern in Berlin


    1845:

    • Am 13. März Uraufführung von Mendelssohns Violinkonzert e-Moll in Leipzig (Dirigent: Niels W. Gade, Solist: Ferdinand David)
    • Am 13. August Rückkehr nach Leipzig, Einzug der Familie Mendelssohn in die Königstraße 3 (heute: Goldschmidtstraße 12)
    • Geburt der Tochter Elisabeth
    • Ab Spielzeit 1845/46 Leitung der Gewandhauskonzerte gemeinsam mit Gade


    1846:

    • Oratorium »Elias« im Juli beendet
    • Am 26. August Uraufführung des Oratoriums »Elias« unter Leitung des Komponistenin Birmingham
    • Am 19. Juli letztmalig Mendelssohn als Pianist im Gewandhaus


    1847:

    • Am 18. März letztes Gewandhauskonzert unter Mendelssohns Leitung
      ​​​​​​​(Am 19. März Rücktritt vom Amt des Gewandhauskapellmeisters)
    • Am 14. Mai Tod der Schwester Fanny in Berlin
    • Am 4. November Tod Mendelssohns in Leipzig
    • Am 7. November Trauerfeier in Leipzig
    • Am 8. November Beerdigung in Berlin, Dreifaltigkeitsfriedhof
  • Mendelssohn-Werkverzeichnis (MWV)

    Zum 200. Geburtstag Felix Mendelssohn Bartholdys erschien das umfassende Werkverzeichnis des Komponisten.

    Im Rahmen des internationalen Kongresses „Felix Mendelssohn Bartholdy – Kompositorisches Werk und künstlerisches Wirken“ und der Mendelssohn-Festtage 2009 wurde am 26. August im Mendelssohn-Haus in Leipzig Ralf Wehners Mendelssohn-Werkverzeichnis (MWV) präsentiert.
    Dr. Ralf Wehner ist Arbeitsstellenleiter der Leipziger Mendelssohn-Gesamtausgabe an der Sächsischen Akademie der Wissenschaften.

    Bis heute ließ sich nur ahnen, wie umfangreich das Œuvre Mendelssohns ist. Die traditionell bekannten Werke tragen Opuszahlen (authentisch bis op. 72, von der Nachwelt vergeben bis op. 121). Die meisten der ca. 750 Kompositionen jedoch waren noch in den 1960er Jahren unveröffentlicht. Die Publikation zahlreicher Jugendwerke im Rahmen der Gesamtausgabe hat die Musikpraxis seither dankbar angenommen.

    Eine umfassende Werkübersicht ließ allerdings bislang auf sich warten. Im Mendelssohn-Jahr 2009 wurde diese Lücke im Rahmen der Gesamtausgabe geschlossen: Das MWV erschließt das Œuvre des Komponisten in 26 Werkgruppen. Zusätzlich aufgenommen wurden Beschreibungen aller bekannten Sammelhandschriften und -drucke. Im Anhang finden sich Informationen zu Werken zweifelhafter Echtheit und zu Mendelssohns Bearbeitungen bzw. Editionen fremder Werke.

    Wehners Arbeit basiert auf jahrelangen Recherchen, bei denen Material und Informationen aus mehr als 1.500 Bibliotheken weltweit, ca. 15.000 Auktionskatalogen und ca. 12.000 Briefdokumenten ausgewertet werden konnten. Allein 2.500 Quellen zu unbekannten Werken und verschiedenen Werkfassungen sind verzeichnet. So wird der Katalog eine Fundgrube für Wissenschaftler, Musiker und Musikliebhaber sein. Die Sicht auf den Komponisten wird sich durch das MWV nachhaltig verändern.

Erinnerung und Mahnung

Das Mendelssohn-Denkmal in Leipzig

Mendelssohn-Denkmal vor der Thomaskirche © Stephan OKOLO Fromme

Am 26. Mai 1892, vierundzwanzig Jahre nach der Gründung eines Denkmal-Komitees zu Ehren des Komponisten Felix Mendelssohn Bartholdy und 45 Jahre nach dessen Tod, wurde in Leipzig das nach Entwürfen von Werner Stein geschaffene Bronzedenkmal an der Ostseite des alten Gewandhauses im Musikviertel eingeweiht. Das Denkmal stand in seiner Aussage und in seinem hohen kulturhistorischen Wert als Zeugnis großer bildhauerischer Kunst am Ausgang des 19. Jahrhunderts und würdigte den genialen Musiker Mendelssohn Bartholdy und dessen Leistungen für das Musikleben. In nationalsozialistischer Zeit wurde das Mendelssohn-Denkmal am 9. November 1936 abgerissen, da Mendelssohn Bartholdy als Jude galt und - so der NSDAP-Bürgermeister Haake - „als solcher nicht als Exponent einer deutschen Musikstadt herausgestellt werden“ könne. Der Verbleib des Denkmals ist unbekannt.

Ausgehend von einer Vereinbarung aus dem Jahr 2003 zwischen dem damaligen Oberbürgermeister Wolfgang Tiefensee und dem Ehrendirigenten des Gewandhausorchesters Prof. Kurt Masur wurde die Wiedererrichtung des Mendelssohn-Denkmals beschlossen. Mit einer großzügigen Spende des Mäzens Dr. Wolfgang Jentzsch begann die Realisierung der Wiedererrichtung des Denkmals. Der neue Standort des rekonstruierten Mendelssohn-Denkmals befindet sich im Herzen der Stadt am Dittrichring gegenüber der Thomaskirche. Das Denkmal wurde am 18. Oktober 2008 eingeweiht.

Auf einem 4 m hohen Granitsockel steht eine ca. 3 m hohe Bronzestatue von Felix Mendelssohn Bartholdy. Auf den Stufen des Denkmals sitzt die Muse der Musik, an den Seiten gruppieren sich je zwei musizierende und singende Putten. Der Sockel trägt auf der Vorderseite die Inschrift „Felix Mendelssohn Bartholdy“ und auf der Rückseite die Inschrift „Edles nur künde die Sprache der Töne“. An den Seiten symbolisieren Medaillons die kirchliche und weltliche Musik.

Digitale Bibliothek

Erst- und Frühdrucke der Werke Felix Mendelssohn Bartholdys

Hiebei die Correctur meines Trios. Doch muß ich Sie bitten, mir noch einen Abzug zur Durchsicht zuzusenden bevor Sie es drucken lassen, damit es recht correct erscheint. Felix Mendelssohn Bartholdy an Breitkopf & Härtel über sein Opus 49

Von seinen mehr als 750 Kompositionen gab der äußerst selbstkritische Felix Mendelssohn Bartholdy nur 72 mit und 30 ohne Opuszahl in den Druck. Meist unterzog er seine Werke nach der ersten Aufführung vor der Publikation noch einmal einer gründlichen Revision, die sogar dazu führen konnte, dass eine Veröffentlichung zu Lebzeiten unterblieb. So ein Werk ist die berühmte Italienische Sinfonie, die erst 1851 in der ersten vollständigen, aber von Felix Mendelssohn Bartholdy verworfenen Fassung erschien und zum Standardrepertoire eines jeden Orchesters gehört. Seine ebenfalls vielgespielte Reformationssinfonie konnte Mendelssohn gar nicht mehr ausstehen, wollte sie am liebsten verbrennen und vor allem sollte sie niemals veröffentlicht werden. Sie erschien, wie viele anderer Werke, noch während des 19. Jahrhunderts. Eine umfangreiche Erst-und Frühdrucksammlung ist im Besitz des Mendelssohn-Hauses. Die bisher digitalisierten Drucke können in der Digitalen Bibliothek angesehen werden.