Sonntagsmatinée

Sonntagsmatinée, 2. Mai 2021, 11 Uhr
mit Benjamin Stiehl (Violoncello) und Manami Ishitani-Stiehl (Klavier)
Homepage:          www.mendelssohn-stiftung.de
Facebook-Seite:  www.facebook.com/MendelssohnHausLeipzig

Unser Programm:    Ludwig van Beethoven (1770-1827)
Sonate C-Dur für Klavier und Violoncello op. 102 Nr. 1
Andante – Allegro vivace
Adagio – Allegro vivace

Toshirō Mayuzumi (1929-1997)
Bunraku für Violoncello solo

Sergej Rachmaninow (1873-1943)
Vocalise für Violoncello und Klavier (arr. Raphael Wallfisch)

Felix Mendelssohn Bartholdy (1809-1847)
Sonate B-Dur op. 45 für Violoncello und Klavier MWV Q 27
Allegro vivace
Andante
Allegro assai

Die Künstler: Benjamin Stiehl, geboren 1980 in Leipzig, war Mitglied des Deutschen Musikschulorchesters und Bundespreisträger bei Jugend musiziert in der Kammermusikwertung. Bereits im Alter von sechzehn Jahren trat er als Solist im Gewandhaus zu Leipzig auf. Nachdem er 1998 in die Nachwuchsförderklasse der Hochschule für Musik und Theater Felix Mendelssohn Bartholdy Leipzig aufgenommen wurde, begann er 1999 sein Studium bei Wolfgang Weber. Seit 2004 ist der Cellist Mitglied der Bremer Philharmoniker.
Manami Ishitani-Stiehl, geboren 1977 in Japan, absolvierte ihr Klavierstudium bei Seiji Tanaka. Im Jahr 2000 kam sie nach Deutschland und nahm ein Studium bei Stephan Seebass an der Hochschule für Künste Bremen auf. 2004 folgte ein künstlerisches Aufbaustudium bei Jochen Köhler an der Otto-von-Guericke-Universität in Magdeburg, das sie mit dem Konzertexamen abschloß. Von 2002 bis 2004 war Manami Ishitani-Stiehl als Korrepetitorin an der Hochschule für Künste Bremen tätig. Die Pianistin ist regelmäßig in der Kammermusikreihe der Bremer Philharmoniker zu erleben.

 Zum Programm: Ludwig van Beethoven leistete mit seinen fünf Sonaten für Violoncello und Klavier die ersten bedeutenden Beiträge zur Celloliteratur. Sie begründen in ihrer Art eine neue Gattung, denn abgesehen von einigen Sonaten Luigi Boccherinis gab es für den Komponisten keine Vorbilder. Die Duosonate des 18. Jahrhunderts war vor allem als Sonate für ein Tasteninstrument mit „begleitendem” Melodieinstrument gedacht. Schon mit seinen ersten Sonaten veränderte Beethoven diese Gewichtung: Zwar verschafft das Klavier der Musik die größere harmonische und strukturelle Dichte, das Cello wird jedoch als gleichwertiger Partner behandelt. Den Höhepunkt dieser Werkreihe bilden die letzten beiden, unter Opus 102 zusammengefaßten Cellosonaten aus dem Jahr 1815.

Toshirō Mayuzumi
bezeichnete sich selbst als einen experimentellen und abenteuersuchenden Komponisten. Als heftiger Kritiker der „Verwestlichung“ seines Landes versuchte er, eine kulturelle Identität neu zu definieren, indem er spezielle japanische Qualitäten in seiner Kunst pflegte. Davon zeugt auch die Komposition Bunraku für Violoncello solo aus dem Jahr 1960. Formal knüpft sie an einen Typ des traditionellen japanischen Puppentheaters an, bei dem ein Sprecher von einem Shamisen, einer dreisaitigen, gezupften Langhalslaute, begleitet wird. So wie der Rezitator gleichzeitig die Handlung vorträgt und die verschiedenen Charaktere der Marionetten und ihre Gefühle zum Ausdruck bringt, wechseln in Mayuzumis Musik erzählende Passagen mit solchen, in denen man unterschiedliche Stimmen zu hören glaubt.

Sergej Rachmaninow war eine der vielseitigsten Persönlichkeiten der russischen Musikgeschichte. Doch zu Weltruhm gelangte er vor allem als Pianist, der sich aufgrund seiner außergewöhnlichen manuellen Anlagen und seines besonderen Sinns für Klangfülle von anderen abhob. Seine wichtigsten und bekanntesten Kompositionen sind daher auch die für sein Instrument. Zu größter Berühmtheit gelangte die Vocalise aus seinen 1912 veröffentlichten 14 Liedern op. 34.
Wie der Name schon sagt, ist es ein Lied ohne Worte, denn als Vokalise bezeichnet man ein Musikstück, das nur auf Vokale gesungen wird. Rachmaninow selbst orchestrierte das Klavierstück in späteren Jahren. Es folgten unzählige weitere Bearbeitungen durch andere Komponisten, darunter Fassungen für ein Soloinstrument mit und ohne Klavierbegleitung, für zwei Klaviere, für Klaviertrio, für Jazz-Ensemble oder für Chor und Orchester.

Die B-Dur-Sonate für Violoncello und Klavier op. 45 komponierte Felix Mendelssohn Bartholdy im Sommer 1838 für seinen jüngeren Bruder Paul. Obgleich er in die Fußspuren des Vaters getreten und Bankier geworden war, hatte sich Paul Mendelssohn Bartholdy auch als Cellist einen guten Namen gemacht. Ihm sind bereits die Variations concertantes op. 17 gewidmet.
Stand in den Variationen klangliche Brillanz des Cellos im Vordergrund, so nutzte Mendelssohn in der B-Dur-Sonate das Streichinstrument zu ausdrucksstarken Kantilenen. Der Musik wohnt eine klassische Ruhe inne, die dramatische Kontraste innerhalb und zwischen den einzelnen Sätzen zugunsten von Ausgewogenheit und struktureller Stabilität vermeidet.