Sonntagskonzert

Sonntagsmatinée, 9. Mai 2021, 11 Uhr
Lourdes Kleykens Vidal, Violoncello
Silke Peterson, Klavier

Homepage:          www.mendelssohn-stiftung.de
Facebook-Seite:  www.facebook.com/MendelssohnHausLeipzig

Unser Programm:
Manuel de Falla (1876-1946)
Suite Populaire Espagnole
El paño moruno
Nana
Canción
Polo Asturiana
Jota

 

Bruce Wolosoff (* 1955)
For April für Violoncello und Klavier


Edvard Grieg
(1843-1907)
Cellosonate a-Moll op. 36
Allegro agitato
Andante molto tranquillo
Allegro – Allegro molto e marcato

Unsere Künstler: Lourdes Kleykens Vidal wurde 1995 in Gandia (Spanien) geboren. Nachdem sie im Jahr 2013 für ihr Cellospiel ausgezeichnet wurde, studierte sie bis 2017 bei Cristofero Pestalozzi an der katalonischen Hochschule für Musik. Ihr Masterstudium setzte sie bei Peter Hörr an der Hochschule für Musik und Theater Felix Mendelssohn Bartholdy in Leipzig fort. Sie wurde bei Wettbewerben wie dem Concurs International Luthiers Clar im Jahr 2018 mit dem ersten Preis ausgezeichnet und erhielt ein Stipendium der Anna-Riera-Stiftung und von CulturArts. Ebenso nahm sie am Festival Pablo Casals in Pades und der Cello-Akademie Rutesheim teil. Seit 2019 ist sie Mitglied des Vereins Yehudi Menuhin Live Music Now Leipzig e.V., der Konzerte fördert, auf denen klassische Musik für Menschen gespielt wird, die sich in einer Situation befinden, in der sie nur sehr eingeschränkten Zugang zu Musik haben, etwa in Krankenhäusern oder Altersheimen. Seit 2019 spielt Lourdes Kleykens Vidal oft mit dem Sinfonieorchester Teatro del Liceo Barcelona, wo sie an Opernaufführungen wie Aida oder Turandot teilnimmt. Seit September 2020 ist sie außerdem Akademistin der Staatskapelle Halle.

Silke Peterson studierte an der Musikhochschule in Hamburg (Marian Migdal, Ralf Gothoni) und an der Royal Academy of Music (Malcolm Martineau). Sie gewann Preise bei verschiedenen Wettbewerben in Hamburg und London. Von 1991-1996 hatte sie eine Kammermusik-Professur an der Musikhochschule Hamburg inne, von 1995 bis 2003 lehrte sie an der Musikhochschule Rostock, seit 1992 ist sie an der Musikhochschule Leipzig. Dirigierproben u.a. mit Kurt Masur, Herbert Blomstedt, Riccardo Chailly, Roger Norrington, Andre Previn, Kristjan Järvi und den Solisten Vadim Repin, Claudio Bohorquez, Sarah Chang, Julian Rachlin u.a. Kammermusikkonzerte mit Mitgliedern des Gewandhausorchesters Leipzig, des MDR-Orchesters, Hamburger Philharmonie, der Bayerischen Staatsoper und der Staatskapelle Berlin. Konzertreisen führten sie in die USA, nach Japan, Kanada, Polen, Großbritannien, sie trat auf bei Festivals wie dem Oberstdorfer Musiksommer, Usedomer Musikfestival, Mendelssohn-Festtage Leipzig, Merseburger Orgeltage, Musikfestival Rimini, Opernfestival Savonlinna, bei Classic Underground in Leipzig sowie im Mendelssohn-Haus Leipzig.
Zum Programm: In unserer heutigen Sonntagsmatinée erklingen Werke von Komponisten, die die Musik ihrer Heimatländer in besonderer Weise geprägt haben. Im Falle des Spaniers Manuel de Falla und des Norwegers Edvard Grieg geschah dies im Rahmen eines Emanzipationsprozesses, bei dem sich im Laufe des 19. Jahrhunderts europaweit Komponisten von der vorherrschenden Bedeutung der deutsch-österreichischen, französischen und italienischen Musik zu lösen suchten und sich einer eigenen, national geprägten Tonsprache zuwandten. Dabei ließen sie sich von der Volksmusik ihrer Heimatländer beeinflussen, wodurch ihre Werke eine national geprägte und unverwechselbare Handschrift erhielten.
Einen internationalen Ruf als Schöpfer einer neuen spanischen Nationalmusik hatte sich Manuel de Falla erarbeitet, der sich in seinen Werken zeitlebens mit den Menschen, den Städten und Landschaften Andalusiens beschäftigte. Mit Anfang 30 war er aber nach Paris gegangen, wo er sich vom Flair der französischen Hauptstadt inspirieren ließ und sich mit den Impressionisten Maurice Ravel und Claude Debussy anfreundete, deren kompositorische Freiheiten ihn sehr beeinflussten. Am Ende dieses siebenjährigen Aufenthaltes in Paris schuf er die Siete canciones populares espagnoles für Mezzosopran und Klavier. Diesen sieben spanischen Volksliedern dienten Texte und Tänze aus verschiedenen spanischen Regionen als Vorbilder, deren nationale und folkloristische Eigenheiten de Falla mit impressionistischen Zügen verband. Im heutigen Konzert erklingen sechs dieser Lieder, die Maurice Maréchal für Violoncello und Klavier einrichtete.
Als authentische amerikanische Stimme wurde der in New York geborene Komponist und Pianist Bruce Wolosoff anerkennend von der Kritik bezeichnet. Nach seinem Klavier- und Kompositionsstudium begann er zunächst eine Karriere als Pianist, wobei er mehrfach Gelegenheit hatte, ihm gewidmete Klavierwerke uraufzuführen. Ende der 1980er Jahre zog er sich jedoch aus dem Konzertleben zurück, um sich ganz dem Komponieren zu widmen. Seine Solo-, Kammer- und Orchestermusik ist dafür bekannt, dass sie klassische Musik mit zeitgenössischen Einflüssen ebenso verbindet, wie mit den ureigensten amerikanischen Musikrichtungen Blues und Jazz. Des weiteren arbeitet er häufig mit Künstlern aus anderen Genres zusammen, sei es dem Tanz, der Oper, dem Film oder der Malerei. So entstanden neben Opern, Film- und Ballettmusik auch Werke, bei denen er sich von Gemälden inspirieren ließ. Dazu gehört auch das Stück For April für Violoncello und Klavier. Hierfür wurde er durch die Kohlezeichnungen der Malerin April Gornik angeregt. Im Jahr 2019 erstmals mit der Cellistin Sara Sant’Ambrogio und dem Komponisten am Klavier aufgenommen, hat es seither verschiedene Aufführungen in den USA erfahren. Im Mendelssohn-Haus kann nun die europäische Erstaufführung erlebt werden.
Ebenso wie de Falla in Spanien, versuchte auch Edvard Grieg in Norwegen zu den Quellen der eigenen Volksmusik zurückzukehren. Seine Suche nach einem „nordischen“ Stil ließ ihn bald zum Inbegriff der neuen norwegischen Musik werden. Die Sonate für Violoncello und Klavier op. 36 ist sein größtes kammermusikalisches Werk und das einzige für diese Besetzung. Nach der Leipziger Erstaufführung wurde sie – wie viele seiner Werke – von der hiesigen Kritik zwar zerrissen, dennoch ist sie in das Repertoire vieler Cellisten eingegangen. Daran hatte sicher die Fähigkeit Griegs Anteil, den Klang der beiden gleichberechtigten Instrumente nicht nur ausgewogen zu gestalten, sondern auch einen leidenschaftlichen Dialog entstehen zu lassen. Grieg nahm die Sonate im Laufe der Zeit immer wieder in das Programm seiner wichtigsten Konzerte auf. Zuletzt spielte er sie im Mai 1906, bei einem seiner letzten öffentlichen Auftritte, zusammen mit dem jungen Pablo Casals.