Ein Leben in zwölf Monaten

"Jetzt mache ich eine andre kleine Arbeit, an der ich viel Spaß habe, nämlich eine Reihe von 12 Clavierstücken, die die Monate vorstellen sollen (…). So suchen wir uns das Leben zu zieren und zu verschönern, das ist der Vorzug der Künstler, daß sie solche Verschönerungen rings um sich her streuen, und alle die daran Antheil nehmen lassen können, die ihnen irgend nahe stehn."

Fanny Hensel in einem Brief an Friedrich August Elsasser vom 11. November 1841.

Fanny Hensel, unbekannter Maler, Reproduktion des Ölgemäldes
Fanny Hensel, unbekannter Maler, Reproduktion des Ölgemäldes © Mendelssohn-Haus Leipzig

Fanny Hensel starb wie ihr Bruder Felix Mendelssohn Bartholdy vor 175 Jahren. In Erinnerung an die herausragende Musikerin des 19. Jahrhunderts wird hier während des Jahres 2022 jeden Monat ein Einblick in ihr Leben gegeben, umrahmt von dem 1841 geschaffenen Klavierzyklus "Das Jahr". Fanny Hensel komponierte die zwölf Charakterstücke als Weihnachtsgeschenk für ihren Mann Wilhelm, der die Notenblätter mit Vignetten verzierte. Mit seinen Naturstimmungen, jahreszeitlichen Ereignissen, Reminiszenzen an die Höhepunkte des Kirchenjahres und Erinnerungen an die Reise nach Italien ist der Klavierzyklus ein musikalisches Abbild der gemeinsam verbrachten Lebenszeit.

Der Januar

Lea Mendelssohn Bartholdy attestierte ihrer ältesten Tochter unmittelbar nach der Geburt „Bachsche Fugenfinger“ und begann schon früh, sie im Klavierspiel zu unterweisen. Später wurde Fanny gemeinsam mit dem Bruder Felix fünf Jahre lang von Ludwig Berger unterrichtet. Ab 1819 erhielten die musikalisch hochbegabten Geschwister zudem Kompositionsunterricht durch Carl Friedrich Zelter. Ungeachtet ihres herausragenden Talents verlangte der Vater, dass für Fanny die Musik niemals Beruf, sondern „stets nur Zierde“ sein solle. Sie beugte sich bis kurz vor ihrem Tode der väterlichen Forderung und versuchte, sich mit dem ihr gesteckten Rahmen zu arrangieren.